Chronologie 1980 – 1989

 

1980 reisen die Widmers für einen Weihnachtsbesuch in die Toskana. Bruno Widmer verliebt sich sogleich in den Brancaia-Hügel. “Vom Haus unseres Freundes Ruedi Bettschart aus sahen wir diesen wunderschönen Flecken Erde”, erinnert er sich. “Die ganze Gegend lag im morgendlichen Nebel, Brancaia aber in der Sonne. Ein magischer Anblick!” Da trifft es sich gut, dass der aus Grossbritannien stammende Vorbesitzer das Gut aufgeben will. Der Bauer, der sich für ihn um die Weinberge kümmerte, ist gestorben, er selbst schon in seinen Siebzigern. Brigitte Widmer ist zunächst skeptisch. Heute aber sagt sie: “Brancaia bedeutet mir unheimlich viel – und von Tag zu Tag mehr.”

1983 läutet die Neubestockung der Rebberge in Castellina eine neue Ära für Bruno und Brigitte Widmer ein. Gleichzeitig entstehen im alten Gutshaus auf dem Brancaia-Hügel vier liebevoll renovierte Ferienwohnungen. Auch personell geht es vorwärts: Die Widmers stellen ihre erste feste Mitarbeiterin ein.

1986 trägt Brancaia bei einer vom Schweizer Weinmagazin “Vinum” organisierten Blindverkostung von Chianti Classico des Jahrgangs 1983 den Sieg davon – und ist auf einmal in aller Munde. “Ein absoluter Glücksfall”, sagt Brigitte Widmer. “Das Erstaunen der Jury”, fährt sie fort, “war allerdings so gross, dass manch einer eine neuerliche Degustation forderte. Der Weinhändler, der sich dafür eingesetzt hatte, dass unser Chianti überhaupt degustiert wurde, verhinderte das aber.”

1989 kaufen die Widmers auf dem Poppi-Areal in Radda ein 53 Hektar grosses Anwesen. Seine Rebflächen sind zwar völlig verwahrlost, aber auch vollständig von Wald umgeben – und deshalb prädestiniert für den ökologischen Weinbau. Das Haus, das dort steht, gleicht einer Ruine, verfügt weder über Strom noch fliessend Wasser. Ein Glücksfall ist der Geräteschuppen: Er beschert dem neuen Besitzerpaar aus der Schweiz die Möglichkeit, eine Baubewilligung für ihren eigenen Keller zu beantragen. Parallel zu diesen Geschehnissen bildet sich das erste Brancaia-Team mit sechs Mitarbeitern heraus. Heute sind es vierzig.

1981 erwerben Bruno und Brigitte Widmer das Anwesen auf dem Brancaia-Hügel in Castellina. Obwohl das Haus stark renovationsbedürftig und das 20 Hektar umfassende Gelände eigentlich viel zu gross ist. Ein abenteuerliches Unterfangen. Zunächst ist Brancaia für die Widmers nur ein Ferienhaus. Aber eben eines mit vier Hektar Rebland. Es müsste doch möglich sein, hier erstklassigen Wein zu produzieren, der den Charakter der Region widerspiegelt, denken sie sich schon bald. Noch im gleichen Jahr folgt die erste Ernte. Die Produktion von Qualitätswein startet mithilfe des Know Hows der Infrastruktur der Familie Mazzei. “Weil die Rebflächen auf den Brancaia-Hügel seit jeher vollständig von Wald umgeben sind, mussten wir nie fürchten, dass Spritzungen von den Nachbarn zu uns gelangen – ein überaus wichtiger Punkt im ökologischen Weinbau”, erklärt Barbara Widmer rückblickend.

1988 produziert Brancaia erstmals Il Blu, dessen Zusammensetzung nicht den Richtlinien für einen Chianti Classico entspricht. Dass der Vorgänger des IL BLU deshalb nur als Vino da tavola gelten wird, schreckt Bruno und Brigitte Widmer nicht ab. Wie andere ambitionierte Produzenten sind sie überzeugt, dass nicht die Kategorisierung zählt, sondern der Geschmack. Und sie behalten recht: Bald schon reden die englischsprachigen Liebhaber der komplexen und gehaltvollen Preziosen voller Bewunderung von den “Super Tuscans”. Doch das Jahr 1988 bringt für Brancaia noch eine weitere ganz wichtige Neuerung: Das einzigartige Etikett entsteht. Bruno Widmer bittet einen Grafiker seiner Werbeagentur eine Reihe von Entwürfen auszuarbeiten. Als diese fertig sind, sticht ihm einer sofort ins Auge. Die Buchstaben des Worts “Brancaia” und die vier Zahlen des Jahrgangs sind darauf zu jenem Quadrat angeordnet, das bis heute auf jeder Flasche des Weinguts zu sehen ist.

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